Mittwoch, 31. August 2016

Skola i Sverige <> Schule in Deutschland

Hej,
Ich habe mich jetzt doch gegen eine Seite und fuer einen Blogeintrag entschieden.
Also jetzt hier, der Vergleich Schule in Schweden und Schule in Deutschland. Zumindestens das, was ich bisher bemerkt habe.

Um mal mit etwas anzufangen, nehme ich mal das Beste gleich heraus: Es ist entspannter. Deutlich. Während man in Deutschland schon gegen Mittag 100% done mit allem ist, geht in Schweden der ganze Schultag locker flockig. Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass Unterrichtstunden 90 Minuten gehen und die Lehrer hier besser mit dem langen Zeitraum umgehen können. Während die Deutschen Lehrer in 90 Minuten versuchen so viel Stoff wie möglich durchzuballern, lassen sich die Lehrer hier Zeit um den Stoff gruendlich durchzuarbeiten und den Schueler*Innen Zeit zu geben. Auch kurze Pausen sind keine Seltenheit, so ziemlich jeder Lehrer macht in seinem Unterricht eine 10 Minuten Pause, dass das Lernen einfacher ist. In Deutschland werden die 90 Minuten, falls man mal eine Doppelstunde hat gnadenlos durchgeballert.

Ich habe hier in Schweden auch nur 7 Fächer, in Deutschland sind es 14. Unter diesen 14 sind wahrscheinlich 10 Fächer, die ich niemals wieder brauchen werde, oder die mich einfach nicht interessieren. Dementsprechend hoch ist dann natuerlich auch die Motivation. Von diesen 7 hier in Schweden machen mir fast alle Spass. (Ich schreibe gerade auf meinem Schullaptop, der ne Schwedische Tastatur hat, deswegen nur ue und ss). Ich gehe hier ja in das Samhallsprogramm, (wenn das wirklich so heisst, irgendwas mit samm :D) also das Gemeinschafts/Sozialgedöns. Fächer wie Medieproduktion und Kommunikation gehören schon jetzt zu meinen Lieblingen, ich finde es echt schade, dass ich die in Deutschland nicht hatte. Dafuer hatte ich Chemie, was natuerlich total ueberlebenswichtig ist. Die Schweden hatten diese ganzen Naturwissenschaftlichen Fächer mal in der Grundschule als Art Naturdingens, wo die die wirklich wichtigen Dinge lernen, die zur Allgemeinbildung gehören. Wenn einen Naturwissenschaften interessieren, besucht man hier eben das entsprechende Programm im Gymnasium. Finde ich um ehrlich zu sein besser.

Mittagspause ist hier fuer meinen Geschmack dezent zu frueh. 11:20. WTF. Aber das Essen hier ist kostenlos! Und auch noch gut! An meiner alten Schule in Deutschland musste man 3,30€ pro Essen zahlen (@Mia, ist das immer noch so oder zahlt man mittlerweile mehr?) und es war essbar. Man hatte halt sein warmes Essen, einen Minisalat, der lätschig bis zum Tod war und Apfelsaft oder Wasser.
Hier gibt es verschiedene, FRISCHE, Salatsorten und gesundes, warmes Essen for freeeee! Das witzigste finde ich aber immer noch den Fakt, dass es hier 4 Milchspender gibt und einen winzig kleinen Wasserspender.

Die Lehrer sind alle im Schnitt mega jung. Ich glaub der "älteste", den meine Klasse hat, wurde '77 geboren, was ja immer noch nicht mal 40 Jahre sind. Was machen die mit älteren Lehrern? Ist das wie bei Divergent, dass die die umbringen oder so? :D Wirklich, ich habe hier an der Schule auch keine alten Lehrer gesehen, es ist irgendwie komisch.
Das ist zwar bekannt, aber man duzt die Lehrer. Ich wusste es auch, bevor ich meinen ersten Schultag hier hatte. Es ist einfach merkwuerdig, aber ich glaube, dass man sich daran gewöhnt. Ich habe es bisher immer recht vermieden, aber dann habe ich an Kopenhagen gedacht, was uns da gesagt wurde, deswegen habe ich heute mal damit angefangen. "Hej då, Martin" "Vi ses Linnea!" BAM. Lehrer geduzt. Hilfe. Es ist komisch. Als ich meinem Gastvater erzählt habe, dass man in Deutschland ab 16 das Recht hat gesiezt zu werden, war sein Gesichtsausdruck einfach unbezahlbar.
Ich weiss noch nicht genau, ob ich das gut finde oder nicht. Zum einen ja, weil dadurch ein wenig die Distanz genommen wird, aber zum anderen ist genau das eben auch nicht unbedingt gut. Meine Gastmutter, die Lehrerin an einer Grundschule ist, hat mir erzählt, dass die Kinder schon weniger Respekt haben. Aber ob das nur daran liegt, ist hier die Frage. In Deutschland werden die Fuenfer von Jahr zu Jahr auch unverschämter und die muessen die Lehrer ja siezen.

Was speziell fuer mich eine extreme Umstellung ist, ist das "moderne", d.h. dass alles ueber Technik läuft. Schueler haben einen Laptop, die Lehrer benutzten Beamer und Powerpoint, die Noten sind online eingetragen, manche Schulbuecher gibt es nur online. Normalerweise bin ich ein Technikbefuerworter, aber diese Online-Schulbuecher kann ich einfach nicht befuerworten. Allgemein ist es bei mir und vielen anderen so, dass wenn man am PC/Laptop/Tablet liest, dass man da nicht gescheid liest, sondern nur so ueberfliegt. Oder einfach direkt was anderes macht. Wenn man in Englisch 3 Seiten Artikel ueber Fluechtlinge lesen soll, chillt man halt lieber auf Twitter oder schaut YouTube. Ich natuerlich nicht, aber andere. Dieses arbeiten mit PC bringt halt echt viel zu viele Ablenkungsmöglichkeiten mit sich. Meiner Meinung nach. Gut, einer aus meiner Klasse hat halt echt in Englisch nur League of Legends gespielt. Und die Lehrerin hat nichts gesagt. Da sind wir wieder bei der Mentalität der Lehrer. Die Schwedischen Schueler*Innen sind viel eigenständiger und die Schule basiert auf Eigenverantwortung. Hausaufgaben werden nicht wirklich kontrolliert (dazu später noch was), wenn man zu spät kommt kriegt man keine auf den Deckel und ob du aufpasst ist deine Sache. Das finde ich aber echt gut. Ich kam heute drei Minuten zu spät, weil wir in einem anderen Raum waren und ich keine Ahnung hatte wo der ist. Tuer auf,"Hej Linnea". Okay. Ich hatte einen bösen Blick und dieses vorwurfsvolle "sind wir auch mal da?" erwartet, aber nein. Einfach nur ein freundliches Hej. Ich entschuldige mich, "Ursäkta att jag kommer för sent." Die Lehrerin winkt ab, grinst und ich setzte mich leicht verwirrt hin. Okaaay. Zeitverzögerung: 30 Sekunden, wenn ueberhaupt. Durch dieses Herumdiskutieren in Deutschland gehen oft an die 5 drauf.
So, nochmal zu den Hausaufgaben. Nehmen wir mal Mathe als Beispiel. In Deutschland: In den letzten 5 Sekunden hat unsere Lehrerin immer einen halben Roman an Hausaufgaben an die Tafel geschrieben und nichts mehr dazu gesagt. Die nächste Stunde hat sich dann erst mal herausgestellt, dass die Hälfte die Hausaufgabe nicht mitbekommen hat und deswegen auch nicht gemacht hat. Der Rest bespricht dann fuer die Stunde die Hausaufgaben und so wiederholt sich das dann Stunde fuer Stunde.
Hier ist es so, dass unsere Lehrerin einen Einstieg ins Thema an der Tafel macht, aber nicht simples Vorrechnen, sondern Erklären und die Schueler nach den Lösungen fragen. Wenn alles klar ist, schreibt sie Aufgaben an die Tafel, die wir in Stillarbeit bearbeiten muessen. Und es ist tatsächlich still. Ein paar Schueler*Innen hören während dem Arbeiten Musik, die Lehrerin lässt sie (Selbstverantwortung again). Wer nicht fertig ist, soll es dann halt daheim fertig machen. Kontrolliert wird das aber nicht, die Lösungen stehen hinten im Buch, wer Fragen hat, kann so fragen. Gefällt mir!

Es ist gerade Mittwoch, 14:20 und ich bin noch in der Schule, obwohl ich eigentlich seit ner halben Stunde "aus" habe. Was bin ich dann noch hier? Wir haben Torgtid. Eigentlich ist die dafuer angedacht, sich einen Platz in der Studietorg (So ein grosser Raum) zu suchen und da seine Hausaufgaben zu machen und zu lernen usw. Die haben wir Mittwochs und Freitag von 14:00-15:30. Die meisten gehen heim, vor allem jetzt am Anfang des Schuljahres. Habe ich letzte Woche auch gemacht, weil wir da einfach keine Hausaufgaben hatten, aber jetzt habe ich vorhin Mathe gemacht und jetzt schreibe ich eben diesen Eintrag. Hier ist einfach eine bessere Arbeitsatmosphäre als daheim. Allgemein gehe ich hier gerne zur Schule. Ich darf den ganzen Tag mehr ueber Dinge lernen, die mich tatsächlich interessieren, habe mit coolen Leuten (meistens) zu tun und auch die Räumlichkeiten laden zum wohlfuehlen ein. Die Klassenzimmer sind gross und nicht so vollgestopft. Ich mag Schule hier. Allgemein habe ich das Gefuehl, dass Schwed*Innen gerne zur Schule gehen. Eben weil man das macht, was einen interessiert.
Oh und jede Klasse hat zwei Mentoren (Klassenlehrer). Gut, in Deutschland gibt es den stellvertretenden Klassenlehrer, aber das ist nicht das selbe. Hier wird die Klasse geteilt. Bei uns steht eine Hälfte unter der Fuchtel von Nina, die andere bei Viktoria. Falls ich Probleme haben sollte, kann ich also zu Viktoria gehen. Finde ich gut, dass eine Klasse zwei hat.

Und ich glaube jetzt, dass ich alles gesagt habe, was ich sagen wollte. Ah ja, sorry, dass mein Blogbanner gerade so unsäglich scheisse aussieht, aber ich habe eigentlich einen richtig geilen mit meinem eigenen Laptop gemacht, aber mein WLAN daheim ist immer noch nur iPhone Hotspot. Deswegen lädt das einfach net hoch.... Naja :)
Ich gehe dann nachher auch mal heim, heute Abend habe ich noch Training, davor gehe ich vielleicht noch an den Strand, mal gucken was das Wetter sagt. Ich muss halt noch 15 Seiten fuer Kommunikation lesen, der Strand wäre dafuer der perfekte Ort. Das war so witzig, als Martin mich gefragt hat, ob das viel ist. Ich: "På svenska, ja."
So, dann sterbe ich weiterhin vor mich hin, ich habe Muskelkater des Todes, help.
Fahre aber trotzdem mit dem Fahrrad zur Schule :3 #Badassconfirmed
Oder so.
Jo.
Macht's nicht gut, macht's besser (von wem stammt das, wer weiss es? :))

Vi ses,
Linnea

Kommentare: